Was passt? – Die Mythen und Möglichkeiten der Wein- und Speisekombination

Was wäre ein genussvoller Weinabend ohne das passende Essen dazu? Aber halt – was bedeutet eigentlich „passend“? Ist es wirklich so einfach wie „Weißwein zum Fisch, Rotwein zum Fleisch“? Spoiler: Nein. Und das ist eine gute Nachricht.

Was heißt eigentlich „passen“?

Wenn wir über das „Passen“ von Wein und Essen sprechen, denken viele an feste Regeln. Aber wie entscheidet man, ob ein Wein wirklich zu einem Gericht passt? Die Antwort: Gar nicht so einfach. Denn was „passt“, hängt stark davon ab, wem es schmecken soll – und Geschmack ist bekanntlich subjektiv.

Was der eine als harmonisch empfindet, kann für den anderen langweilig oder sogar unangenehm sein. Deshalb sollten Empfehlungen immer nur Anregungen sein, keine Vorschriften.

Kritik an klassischen Empfehlungen: Regeln, die keine sind

Die typischen Kombinationen – Rotwein zu Steak, Weißwein zu Fisch – stammen oft aus der traditionellen Restaurantkultur. Doch sie berücksichtigen kaum, wie unterschiedlich Menschen wahrnehmen. Was in einem französischen Bistro funktioniert, passt vielleicht nicht zum eigenen Geschmack oder zum Essen auf dem heimischen Balkon.

Außerdem: Warum sollte sich immer der Wein dem Essen unterordnen? Diese Sichtweise ist verbreitet, aber nicht zwingend. Warum nicht mal andersrum denken?

Perspektivwechsel: Essen zum Wein

Gerade beim Weintasting zu Hause, wenn der Fokus auf dem Wein liegt, kann man das Ganze auch umdrehen: Welches Essen passt zu dem Wein, den man gern trinken möchte?

Das ist nicht nur erlaubt, sondern auch spannend. Statt einen Weißwein zu wählen, der „nicht stört“, darf man gezielt Speisen wählen, die den Wein betonen oder kontrastieren. Ein kräftiger Käse zu einem süßen Riesling? Ein scharfes Curry zum fruchtigen Rosé? Alles erlaubt – solange es euch schmeckt.

Einflussfaktoren: Tradition, Region, Jahreszeit & Stil

Viele klassische Kombinationen stammen aus der Regionalküche: Chianti zum toskanischen Wildgericht, Riesling zur rheinischen Forelle. Das ist oft lecker – weil Zutaten, Zubereitung und Wein über Jahrhunderte zusammengewachsen sind.

Auch Jahreszeiten spielen eine Rolle. Im Winter darf’s gern wuchtig und wärmend sein – ein kräftiger Rotwein zu Braten. Im Sommer kommen frische, säurebetonte Weißweine oder ein prickelnder Rosé besser zur Geltung – zum Beispiel zu Salaten oder Gegrilltem.

Und schließlich: der Stil. Im Sternerestaurant wird die Weinbegleitung oft so komponiert, dass sie die Küche unterstützt. Zuhause beim Weintasting darf der Wein aber auch mal die Hauptrolle spielen – und das Essen liefert das „Kontrastprogramm“.

Die zwei Wege: Harmonie oder Kick?

Wenn du eine begleitendes Speise für deine nächste Weinverkostung zu Hause planst, lohnt es sich, über zwei grundsätzliche Ansätze nachzudenken:

1. Harmonie
Hierbei kombinierst du ähnliche Geschmacksrichtungen. Ein cremiger Weißwein mit buttrigem Fisch, ein weicher Rotwein mit geschmortem Fleisch. Ziel: ein rundes, weiches Geschmackserlebnis ohne große Überraschungen. Perfekt für gemütliche Abende.

Tipp: Achte auf sogenannte „Joker-Zutaten“ – Alkohol, Fett und Süße. Diese sorgen fast immer für ein harmonisches Mundgefühl.

2. Kick
Hier wird’s spannend. Du kombinierst Gegensätze: Süße trifft Säure, Frucht trifft Würze. Ein fruchtiger Weißwein zu Ziegenkäse mit Honig, ein tanninhaltiger Rotwein zu herzhaftem Tatar – das bringt Dynamik in den Mund.

Wichtig: Solche Kombinationen funktionieren am besten, wenn du die intensiven Komponenten ausbalancierst – zum Beispiel mit etwas Salz oder Fett.

Ein bisschen Theorie: Warum das überhaupt funktioniert

Keine Angst, wir machen’s kurz: Unser Geschmackssinn reagiert auf vier Grundrichtungen – süß, sauer, salzig und bitter – und jede davon wirkt auf den Wein anders:

  • Säure im Essen kann einen Wein frischer wirken lassen – oder ihn komplett überlagern.
  • Süße im Essen braucht oft auch Süße im Wein – sonst wirkt der Wein schnell zu sauer.
  • Salz kann den Alkohol mildern und das Mundgefühl runder machen.
  • Fette verstärken die Aromen – deshalb lieben viele die Kombination von cremigen Speisen und kräftigen Weinen.

Besonders spannend: Alkohol und Fett gelten als „Harmoniejoker“. Sie machen fast jede Kombination angenehmer – aber nicht unbedingt aufregender.

Fazit: Geschmack ist individuell – trau dich!

Ob du dich für den harmonischen Weg oder den mutigen Kick entscheidest, ist ganz dir überlassen. Es gibt nicht die eine richtige Kombination – es gibt deine Kombination. Wichtig ist nur, dass du neugierig bleibst, ausprobierst und auf dein Bauchgefühl hörst.

Denn ein Weintasting zu Hause ist nicht nur eine Weinprobe – es ist eine Reise durch Aromen, Empfindungen und vielleicht auch ein bisschen Mut, Gewohntes zu hinterfragen.

Lust bekommen?

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Viel Spaß beim Probieren, Kombinieren und Genießen!

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